Als ich heiratete, waren wir nicht frisch verliebt. Wir schwebten nicht auf Wolke 7 und sahen einander auch nicht mehr durch die rosarote Brille.
Wir hatten 10 Jahre Beziehung hinter uns.
10 Jahre, in denen wir Kinder bekamen, überfordert waren, stritten, wütend und frustriert waren, konkurrierten, unsere Freiheit vermissten, einander im Weg standen, erschöpft waren und uns einmal fast trennten.
Und 10 Jahre, in denen wir kuschelten, einander zuhörten, tiefer eintauchten, uns selbst reflektierten, einander verstanden, ausgelassen waren, gemeinsam Freunde fanden, uns als Eltern bewunderten und einander immer mehr vertrauten und begegneten bis wir uns wirklich sicher fühlten.
Partnerschaft kann anstrengend sein.
Sie berührt Wunden und öffnet sie. Wir geben manchmal zu viel Verantwortung ab oder nehmen zu viel davon auf uns. Wir sind verstrickt wie ein Wollknäuel, gefangen in unseren Mustern und Dynamiken. Und vergessen dabei manchmal, was eigentlich unser gemeinsames Ziel ist.
Und gleichzeitig kann Partnerschaft heilen.
Sie kann uns aufzeigen, wo wir noch hinschauen dürfen. Wo wir einen Mangel spüren, wo eine tiefe Sehnsucht in uns schlummert. Sie kann uns tief berühren, Lebendigkeit hervorrufen und eine Entwicklung möglich machen wie kaum eine andere Beziehung.
Wenn ich eines durch meine eigene Partnerschaft und meine Arbeit mit Paaren gelernt habe, dann ist es, dass eine Beziehung nicht daran scheitert, dass sie manchmal anstrengend ist.
Es darf wehtun. Es darf schwierig sein. Wir dürfen uns verlieren, aneinander zweifeln und manchmal auch nicht mehr wissen, wie wir wieder zueinanderfinden sollen. All das macht eine Beziehung nicht weniger wertvoll oder weniger erfolgreich.
Es kann Phasen geben, in denen der Berg, der vor uns liegt, unüberwindbar erscheint. In denen wir kaum noch wissen, wo wir anfangen sollen, um uns wieder nahe zu sein.
Doch solange die Bereitschaft da ist, hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und einen kleinen Schritt aufeinander zuzugehen, ist Entwicklung möglich.
Denn der Schlüssel ist:
„You cannot heal what you cannot feel.“
Wir können nicht verändern, was wir nicht bereit sind zu fühlen. Und wir können einander nicht wirklich finden, wenn wir uns selbst dabei aus dem Weg gehen.
Manchmal braucht es Mut, sich den eigenen Verletzungen zu stellen. Manchmal braucht es noch mehr Mut, dem anderen die eigenen zu zeigen. Und manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo wir aufhören, darauf zu warten, dass der andere den ersten Schritt macht.
Ich glaube nicht, dass eine glückliche Beziehung eine Beziehung ohne Konflikte ist. Und ich glaube auch nicht, dass Liebe allein ausreicht, um jede Herausforderung zu überwinden.
Ich glaube an die Kraft zweier Menschen, die bereit sind, sich immer wieder neu kennenzulernen. Die neugierig bleiben. Die verstehen wollen, anstatt recht zu haben. Die erkennen, dass sie nicht gegeneinander kämpfen müssen, sondern gemeinsam auf etwas schauen können, das zwischen ihnen steht.
Und ich glaube, dass darin eine unglaubliche Chance liegt.
Denn vielleicht geht es in einer Partnerschaft gar nicht darum, irgendwann anzukommen. Vielleicht geht es darum, gemeinsam in Bewegung zu bleiben.